Vision, Tatkraft, Lebenswerk
Wer die Büroräume von Elektro Minck in Marktoberdorf betritt, sieht gleich am Empfang ein großes Bild von ihm: Winfried Minck, wie er in die Karnern lächelt. „Er ist immer noch da“, sagt seine Enkelin Valerie Keller-Minck. Schließlich hat ihr Großvater das Unternehmen aufgebaut und zu dem gemacht, was es heute ist. Bis zuletzt kam er ein- bis zweimal pro Woche ins Büro, erzählt Frau Keller-Minck. Ende April verstarb Herr Winfried Minck überraschend im Alter von 86 Jahren. Er hinterlässt nicht nur eine große Familie- seine Frau Inge, zwei Töchter, zehn Enkel und viele Urenkel -, sondern auch einen Betrieb, den er über Jahrzehnte geprägt hat.
Die Beerdigung liegt nun ein paar Wochen zurück, und bei der Minck Elektro- und Fernmeldetechnik GmbH geht der Alltag weiter. Valerie Keller-Minck, gelernte Veranstaltungskauffrau, ist seit Kurzem Geschäftsführerin des Unternehmens - neben drei weiteren Geschäftsführern der jeweiligen Geschäftsfelder. Mit ihren 30 Jahren tritt sie in die Fußstapfen ihres Großvaters, der ein bewegtes Leben hatte.
Winfried Minck wurde 1939 in Dresden geboren. Sein Vater Max hatte dort 1933 einen Betrieb für Elektroinstallationen gegründet. Winfried selbst entschied sich in jungen Jahren für eine Ausbildung zum Elektriker. Doch in den 60er-Jahren kam alles anders. Dem Familienunternehmen drohte wie unzähligen anderen Betrieben in der DDR die Verstaatlichung. Der Betrieb war über die Jahre gewachsen und hatte sich zu einer starken Firma mit 45 Mitarbeitern entwickelt. Die Familie stand vor der schweren Entscheidung: Alles aufgeben und in den Westen gehen oder bleiben? Der Vater schaffte es rüber, doch Winfried Minck wurde im Alter von 18 Jahren von der Stasi verhaftet und kam mit seiner Mutter für einige Monate ins Gefängnis. Der Grund: Minck hatte Geld in den Westen geschickt. „Diese Phase hat ihn sehr geprägt“, erzählt seine Enkelin. Nach seiner Entlassung, vier Monate später, floh er mit seiner späteren Frau in den Westen. Über Umwege kam die Familie Minck nach Marktoberdorf - und baute neu auf.
1971 übernahm Winfried Minck, der zuvor noch die Ausbildung zum Elektromeister absolviert hatte, den Betrieb von seinem Vater. Eine Konstante an seiner Seite war Barbara Schuster - 45 Jahre lang Geschäftsführerin bei Elektro Minck. Die besondere Struktur mit einer Besitzfirma und einer operativen GmbH ermöglichte es, langjährige Mitarbeitende in die Geschäftsführung einzubinden. „Seine Tür stand immer offen. Er hatte ein Ohr für die Sorgen der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter“, erinnert sich Frau Schuster. „Kontinuität nach innen und außen. Das war sein Motto. Über Jahrzehnte hinweg führte er das Unternehmen mit klarem Kurs“. Dabei waren die Anfangszeiten alles andere als einfach.
Anfang der 70er-Jahre fehlte es an finanziellen Mitteln. Trotzdem sollten lukrative Aufträge beschafft werden. Und natürlich musste die Qualität stimmen. Doch Winfried Minck bewies Weitblick. 1976 erweiterte er das Unternehmen für Elektrotechnik um eine Fernmeldeabteilung. 1981 wurde in Memmingen eine Filiale für Fernmeldetechnik eröffnet. 1995 erfolgte der Filialneubau in Memmingen. 2005 wurde ein neues Betriebsgebäude in Marktoberdorf fertiggestellt.
Heute zählt Elektro Minck mit 160 Mitarbeitenden und 76 Firmenfahrzeugen zu den größten Elektrobetrieben im Allgäu . Derzeit entsteht ein weiteres Betriebsgebäude in der Nachbarschaft - ganz im Sinne des Großvaters. Ständig wurde gebaut, umgebaut, erweitert. Selbst in den letzten Monaten war er interessiert und beteiligt an der Planung eines weiteren Park- und Lagerhauses.
Ob ihr Großvater je wirklich in Rente war? Valerie Keller-Minck lacht. „Nein, Rente gab es bei ihm nie." Erholung fand Winfried Minck im und auf dem Wasser: Schwimmen und Segeln bereiteten ihm große Freude. So trauert auch die Schwimmabteilung des TSV Marktoberdorf nicht nur um eines ihrer ersten Mitglieder, sondern um ein Mitglied der „Schwimmfamilie", wie Peter Ossenberg, ein guter Freund von Winfried Minck im Nachruf schrieb. Herr Minck hat den Schwimmbetrieb maßgeblich mit gestaltet. Winfrieds Freundschaftsverständnis bestand aus vier Säulen: Vertrautheit, Verlässlichkeit, Loyalität und Dankbarkeit. Gerade seine große Dankbarkeit spürten wir, seine Schwimmerfreunde, sehr oft."
„Er war auch ein guter Ratgeber", sagt Valerie Keller-Minck. „Er hat über den Tellerrand hinaus geschaut und hatte Visionen", ergänzt Frau Schuster. Und all das hat ihn zu dem Menschen gemacht, dessen Erbe Frau Keller-Minck nun fortführt. ,„Es war ihm ganz wichtig, dass alles reibungslos weiterläuft und dass das Unternehmen in Familienbesitz bleibt", ergänzt Frau Schuster. „Und ich werde es in seinem Sinne weiterführen" fügt Valerie Keller-Minck abschließend hinzu. (Verf.: Stefanie Gronostay)
Wir werden das Andenken an unseren Chef stets in Ehren halten und das Unternehmen nach seinen Wertvorstellungen weiterführen.
Gesellschafter, Geschäftsleitung und Belegschaft
der Minck Elektro- und Fernmeldetechnik GmbH